Der Regen peitscht auf unsere Windschutzscheibe, rechts und links der Autobahn liegen nur saftig grüne Felder und Nadelwälder. Bisweilen sehen wir ein paar Häuschen. Und so geht das schon seit einigen Stunden. Wir sind auf dem Weg in den Sommerurlaub und gerade durchqueren wir Polen.
In Warschau haben wir einen kleinen Stopp eingelegt, um die Altstadt zu besichtigen und in einer typischen „Bar Mleczny“ — einer Art Mittagskantine — lokale Hausmannskost zu sehr fairen Preisen zu essen. Alle anderen verlockenden Städte Polens haben wir links liegen lassen, denn wir wollen bis hoch nach Estland.

Die baltischen Staaten fehlen uns noch auf unserer Liste. Nachdem wir in den letzten Jahren mehr als 25 europäische Länder bereist haben, wurde es zunehmend schwieriger noch neue Orte für den Urlaub zu finden. Auch bis Estland müssen wir in der kurzen Zeit weit fahren, aber zum Glück haben wir für den Rückweg eine Abkürzung eingeplant und nehmen die Fähre.
In Deutschland sind wir bei über 30 Grad losgefahren, haben uns die erste Nacht im Campingbus gequält, als kein Lüftchen ging, und die Kinder nicht einschlafen konnten. Die schweren grauen Wolken und die Kühle sind uns willkommen, doch ganz so nass müsste es auch nicht sein. Dafür ist trotz Ferienzeit touristisch nicht viel los im polnischen Inland. Leere Wohnmobilstellplätze, verlassene Spielplätze und wenig befahrene Autobahnen haben auch etwas für sich.
Ich schaue wieder zum Fenster hinaus. Eine kleine Lärmschutzwand, gelbe Ähren. Ein paar weiß eingewickelte Heuballen. Und wieder Wiesen, Wiesen, Wiesen. In der Ferne drehen sich Windräder, deren Rotorblätter fast in den Wolken verschwinden. Ein Storch steht auf dem Feld. Eine meditative Langeweile stellt sich ein. Und für einen kurzen Moment lässt sogar der Regen nach.
Camper-Tipp: An polnischen Autobahnraststätten kann man fast immer kostenlos duschen.
