Tallinn: Nicht unser Highlight im Baltikum

Kürzlich haben wir die estnische Hauptstadt Tallinn besucht, die inzwischen auch außerhalb des Baltikums als Urlaubsziel bekannt ist. Das ist leicht zu erkennen an gleich mehreren Kreuzfahrtschiffen, die vor der Stadt ankern. Bevor wir selbst ins Zentrum hineinfahren, machen wir Halt bei der Gedenkstätte für die Opfer des Kommunismus, wo die Namen Tausender Opfer des kommunistischen Regimes der Sowjetunion aufgelistet sind.

In der Nähe der Gedenkstätte auf dem Gelände von Estlands Geschichtsmuseum gibt es außerdem einen „Friedhof“ von Statuen kommunistischer Führer mit Informationen zu ihrem ursprünglichen Standort und zur jeweiligen Person. Auch wenn das Museum geschlossen hat, ist der Park mit den Statuen frei zugänglich.

Im Zentrum ist zu viel los

Vielleicht schreibe ich so viel darüber, weil ich zögerlich bin, über Tallinns Altstadt zu berichten. Denn gefallen hat es uns dort nicht besonders. Uns macht es keinen Spaß zwischen Touristen-Geschäften und Strömen von Menschen mit Audioguides, die im Gänsemarsch durch die gepflasterten Straßen ziehen, verzweifelt nach etwas Echten Ausschau zu halten — und schließlich enttäuscht zurück zum Auto zu laufen.

Das Rathaus.

Zwar gibt es ein paar interessante Ecken wie ein architektonisch spannendes neues Viertel mit modernen Gebäuden und ansprechenden Außenanlagen mit Sitzgelegenheiten und Cafés. Und auch in der Altstadt selbst finden sich einige ungewöhnliche Restaurants wie zum Beispiel das Olde Hansa, das komplett im Mittelalter-Stil eingerichtet ist und mittelalterliche Küche serviert. Doch all das ist großstädtisch teuer und es wimmelt nur so von Menschen. Sobald vor dem Restaurant wieder eine Portion gebrannte Mandeln aus der gusseisernen Röstpfanne kommt, und von dem Koch im Mittelaltergewand in der Holzkelle zum Probieren gereicht wird, stürzen Scharen von älteren Touristen darauf los wie Tauben auf eine heruntergefallene Semmel. 

Wir machen nach nur etwas mehr als zwei Stunden kehrt und sind dankbar, die Stadt hinter uns zu lassen. Dafür entschädigt uns etwas weiter außerhalb der ruhige Wohnmobilstellplatz auf der Wiese eines Bauernhofs, der mit allen Annehmlichkeiten ausgestattet ist, um den abendlichen Regen im Trockenen auszusitzen. 

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